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Sebastian Hänel über: Zanderangeln im Juni zum Saisonstart

Sebastian Hänel über: Zanderangeln im Juni zum Saisonstart

Das Zanderangeln im Juni zum Saisonstart ist besonders im Fluss so einfach wie das ganze Jahr nicht mehr, weshalb sich dieser Artikel hier nun auch um das Finden und Fangen von Zandern im Fluss drehen wird.
Zu keiner Jahreszeit ist es so leicht kapitale Stromritter ans Band zu bekommen wie in den ersten beiden Juniwochen. Dies trifft besonders für die Elbe, aber auch für die Oder, den Rhein und auch die kleineren Flüsse zu.

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Fangfaktoren

Warum das so ist, liegt maßgeblich an dem jetzt durch Planktonbildung sehr trüben Wasser und daran, dass unsere Zander als wärme-liebende Fische bei einer Wassertemperatur von über 20 Grad ihre höchste Aktivitätsphase haben und daher anständig ziehen und viel fressen.

Der erste Punkt, die höhere Trübung der Flüsse, sorgt dafür, dass unsere Zielfische auch am Tag und bei praller Sonne fressen und daher sehr gut auf unsere angebotenen Köder reagieren. Selbst wenn sie tagsüber am Fuße einer Steinschüttung abliegen und nicht ziehen, kommt ihnen ein geschickt präsentierter Happen ganz gelegen. Aufgrund des im Juni warmen Wassers bilden sich durch Phosphatfracht des Flusses Phytoplankton, sogenannte Algen, die das Wachstum von Zooplankton nach sich ziehen. In dieser Nährstoffsuppe gedeihen auch die vor kurzem geschlüpften, sehr lichtempfindlichen Zanderlarven am besten und wachsen schnell. Dies liegt daran, dass sie die winzigen Krebstierchen im tierischen Plankton fressen, bevor sie groß genug sind, um andere Brutfische aufs Korn zu nehmen. Der durch das „blühende“ Wasser stark gedämpfte Lichteinfall hält auch die großen Zander, die recht lichtempfindlich sind den ganzen Tag über in Beißlaune. Wenn sich die flachen Flüsse ab Spätsommer wieder aufklaren verlagern sich die Beißphasen wieder in die Dämmerung / Dunkelheit hinein. Das mag ich so am Juni, denn ich kann den gesamten Tag über mit Bissen rechnen.

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Flacher als gedacht

Viele Angler, die Zanderangeln lernen, sind der allgemein gültigen Lehrmeinung verfallen, dass man möglichst tiefe Buhnen oder Löcher im Strom aufsuchen muss, um dort die Zander anzutreffen. Dieser in anderen Jahreszeiten grundsätzlich richtige Ansatz ist aber im Zandermoant Juni außer Kraft gesetzt! Aufgrund des schwachen Lichteinfalls am Grund, habe ich zu dieser Zeit die meisten und auch größten Zander an recht flachen Plätzen erwischt. Mitteltiefe Buhnen, die nicht in der Außenkurve liegen, oder welche, die langsam wieder in die flache Innenkurve übergehen, sind jetzt so heiß, wie sonst das ganze Jahr nicht mehr. Eine kleine ausgespülte Struktur hinter einem Buhnenkopf oder an einer Einfahrt zu einem Seitengewässer genügt oft schon für eine „Drachenhöhle“.

Ich startete meine Zandersaison an der Elbe erst am 6.Juni, da ich vorher zu viel Arbeit mit der Vorbereitung einer Präsentation für ein großes kostenloses Zander-Online-Seminar hatte. Hier geht’s zur Anmeldung:

http://www.zanderkant.de/zanderangeln-ist-einfach-seminar

Zanderangeln im Juni zum Saisonstart ist einfach

Auf der Durchreise hielt ich bei meinem Kollegen Silvio Schranz aus Köthen im Angelmarkt an. Ganz spontan entschieden wir uns mit seinem neuen Wallerboot eine kurze Ausfahrt auf der Elbe bei Dessau zu unternehmen. Ich hatte keine Angelklamotten und keine Kameras dabei, aber immer eine montierte Rute und eine Box Köder im Auto rumliegen. Wir steuerten flache Buhen an, deren Kessel bereits durch den kürzlich gefallenen Pegel trocken lagen.

Wir legten den Anker im Hauptstrom so ab, dass er am in den Fluss hineinlaufenden Buhnenrücken halt findet und ließen so viel Seil, dass wir parallel zur gurgelnden Stromkante standen. Der dritte Wurf vor den Kopf brachte mir bereits mein erstes ersehntes TOCK, der durch den schnellen Stock in mein Handgelenk jagte. Herrlich! Nach sportlichem Drill, da ich den Fisch ja in den Hauptstrom hinein ziehen musste, war mein erster Elbzander der frischen Saison gelandet. Glatt 60cm.

Die nächste Buhne war noch flacher und die Sandbank des Kessels lag bis kurz vor den Kopf trocken. Doch das drehende, braune Wasser, vor den letzten Steinen der Buhnenspitze, verriet mir den zügigen Abfall der Kante zum Strom. Ich pendelte meinen 12cm Zanderkantkauli direkt vor die Steine und ließ ihn an straffer Leine zu Boden gleiten. Ca 2m war der Platz tief. In der dritten, trotz 10g Greifer, kurzen Absinkphase, fiel die Schnur auf mich zu, obwohl der Köder noch nicht aufgetippt war. Überschieber! Ich zog meine Rute durch und der Tanz begann. Der schwere Fisch hob sich vom Grund und startete die Stromkante stromab durch. Am Boot vorbei und hinter dem Heck entlang, direkt in den drückenden Hauptstrom hinein.
Er setzte seine Flucht stromauf fort und forderte einige Meter Schnur von meiner Rolle, was ich selbst von großen Zandern nicht gewöhnt bin. Aber im warmen Wasser sind Zander sehr kraftvoll. Ich musste den Fisch stromab zum Boot zurück pumpen und konnte ihn beim dritten Versuch schließlich landen. Mit 87cm ein wirklicher Traumstart in meine Zandersaison 2017!
Der 3/0 Greifer saß von außen an der Unterlippe. Haarscharf, aber gelandet ist gelandet. 😉

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Das sind die Momente, für die wir draußen sind! Hier besonders schön, da diese Ausfahrt ungeplant war und wir nur mal ein paar Buhnenköpfe bei entspannten Gesprächen anfischen wollten. Unverhofft kommt oft und es zeigt, dass man einfach raus gehen muss, um solche Erlebnisse mit Heim zu nehmen. Der große Rogner stand an einem ganz unspektakulären Platz. Doch dort wird fast nicht geangelt. In unseren Flüssen gibt es viele solcher Stellen, die außer Acht gelassen werden. Rein mit dem Köder!

An der dritten Stelle, auf der anderen Flussseite, dann der dritte Streich. Beim ersten Wurf, auf den Gleithang einer steileren Buhne, ein brutaler Biss! Auch dieser Fisch bockte hart am Grund. Als er auftauchte staunten wir nicht schlecht, ob seiner düsteren, zerzausten Erscheinung.
Er hatte den gleichen Köder, wie der 60er und der 87er , voll im Schlund und brachte nach der Landung stolze 78cm an den Zollstock! Ein Milcher, der wohl vor kurzem noch sein Nest bewachte und vor Fressfeinden verteidigte. An seiner außergewöhnlichen Färbung sieht man ganz deutlich, dass er sich gerade zurück färbt und sein schwarzes Balz und Laichkleid aus dem Mai abgelegt.
Ich bin immer wieder über unsere Natur erstaunt und auch der Zander schafft es, mich immer wieder aufs Neue zu überraschen.

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Beißphasen nutzen

Im Juni ist aber nicht alles eitel Sonnenschein. Auch hier kann das gute Beißverhalten abrupt abreißen.
Zander reagieren am besten solang die Wetterlage stabil ist. Da wir aktuell an heißen Tagen, ab dem Nachmittag, mit gewittriger Luft zu kämpfen haben, die sich aufgrund der bis zum Mittag entstandenen Thermik bildet, schwanken auch die Zanderfänge stark. Von morgens bis mittags ist das Wetter meist heiter und damit über mehrere Stunden beständig. Die Fische mögen das und reagieren teils sehr aggressiv auf unsere Köder.

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Kippt die Wetterlage allerdings und ein Gewitter kündigt sich an, ist es oft schlagartig vorbei mit den Bissen. Auch bei uns, da nach dem 78er Bock, der Himmel zuzog und Wind aufkam und eine Gewitterwand aufzog. Da unsere Flüsse recht flach sind, wirkt sich der plötzliche Abfall des Luftdrucks stärker auf die Fische aus. Oder anders gesagt, der Wetterwechsel kommt härter bei den Flossenträgern an. Die beste Beißphase hat man allerdings bevor das Wetter kippt, aber dann wenn wir davon noch gar nichts spüren.

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Nach einem Gewitter kommt das gute Beißverhalten allerdings rasch wieder zurück. Da der Stoffwechsel der Fische im warmen Wasser sehr hoch ist und damit auch der Energieverbrauch. Oft genügen nach einem Gewitter schon 3 Stunden heiteres beständiges Wetter aus, um die Zander wieder angriffslustig zu machen. Wer seine Ausflüge auf diese beständigen Phasen legen kann, wird immer gute Chancen auf seinen Traumzander haben.

Du siehst, Zanderangeln im Juni zum Saisonstart ist einfach.

Aktuell hast du noch die Möglichkeit dich bei einem der Termine für das große kostenlose Zander-Online Seminar anzumelden, wo du meine Präsentation auf deinem Bildschirm von zu Hause aus verfolgen kannst. Mein Ziel ist es dabei, dass du dein eigener Zander Guide werden kannst und in der Lage bist deine Hausgewässer ohne Frustration und Unsicherheit zu knacken.

Hier geht´s zur Anmeldung:

http://www.zanderkant.de/zanderangeln-ist-einfach-seminar

 

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