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Sebastian Hänel über: Die richtige Gewässerwahl beim Zanderangeln

Sebastian Hänel über: Die richtige Gewässerwahl beim Zanderangeln

Viele Angler, die in meinem gratis Videokurs angemeldet sind, berichten mir per Mail von Schwierigkeiten, welche sie mit ihren Hausgewässern haben. Sie probieren, grübeln, probieren wieder. Fragen sich, ob ihre Ausrüstung auch gut genug aufeinander abgestimmt ist. Ob ihre Köderfarbe richtig gewählt oder der Schnureinzug der Rolle passend ist.
Das Problem, warum sie nur sehr schlecht an ihren Zielfisch, den Zander, herankommen, liegt allerdings nicht am Material. Bei manchen liegt es vielleicht an der gewählten Angeltechnik. Aber das Hauptproblem ist, dass sie die falschen Gewässer befischen. Die richtige Gewässerwahl beim Zanderangeln ist eines der elementarsten Grundlagen.
Gute Zanderbestände kommen bei ganz bestimmten Bedingungen zu Stande. Wenn das Hausgewässer diese nicht hergibt, da es z.B. zu nährstoffarm und klar ist, dann ist man gezwungen sich andere Reviere zu erschließen.
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Das macht Arbeit und setzt ein gewisses Maß an Fleiß voraus. Doch es lohnt sich. Hinter jedem guten Zanderangler steht ein gutes Zandergewässer! Oder anders formuliert. Ein Angler ist nur so gut, wie seine Gewässer es zulassen.

Besonders was den Fang von Kapitalen Zander betrifft.
Ein großer Einzelfisch ist überall möglich, doch die Angler, die kontinuierlich die Großzander ans Band bekommen, haben dies zu einem sehr großen Teil ihren Revieren zu verdanken an denen sie fischen. (Ahnung von Angelmethoden und Material und Gefühl für die Köderführung vorausgesetzt)
Was dies bedeutet und wie schwerwiegend der Faktor Gewässer für den Fangerfolg bei Großzandern ist, haben mein Kollege Philipp Feist und ich Ende August in Schweden wieder eindrucksvoll in der Praxis realisiert, als wir unser Boot beim Hersteller www.scandica.se in Ullared abholten und dies gleich geschickt mit einem Angelurlaub verbinden konnten.

Die Nadel im Heuhaufen

Um diesen Ort herum existieren hunderte Seen, einer schöner als der andere.
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Doch die meisten geben kaum nennenswerte Zanderbestände her, da sie zu klar sind. Dort kann man sich mit Hechten und Barschen austoben. Zanderseen sind auch im Land der tausend Seen rar gesät.
Da wir es aber auf Zander abgesehen hatten, mussten wir selbst aktiv werden und die Nadel im Heuhaufen finden. Dazu half uns unsere jahrelange Erfahrung mit dem Wissen, dass Zander am besten in trüben und nährstoffreichen Seen gedeihen und Google-Maps. Die Meisten Seen waren von Wald umrandet. Logisch, dass hier eher weniger mit unserem Zielfisch zu rechnen war, da Wälder wie ein Filter wirken und nur klares Wasser durch die Einläufe zuströmt.
Also suchten wir nach Einläufen von größeren Flüssen oder Gewässern, die von Feldern der Landwirtschaft umgeben waren. Denn durch die Düngung werden Phosphate freigesetzt, die bei Niederschlägen durch Auswaschung des Bodens eingetragen werden. Die Folge sind Algenblüte und das daraus entstehende Zooplankton. Dieses benötigt die empfindliche Zanderbrut nach dem Schlüpfen als Nahrungsquelle. Außerdem bietet das dadurch ungetrübte Wasser einen Lichtschutz für die sehr lichtempfindliche Brut.

frei & locker zum Fisch

Wir fanden auf der Karte einen See, der ca. 40km weit weg war und von Feldern umgeben in einem Tal lag. Dieser sollte es werden! Die Expedition begann.
In Schweden ist im Gegensatz zu Deutschland alles sehr liberal und entspannt. So gibt es beispielsweise gebührenfeie öffentliche Trailerstellen mit Parkplatz ohne sinnlose Schranken.
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Angelkarten sind dort entweder bei den umliegenden Häusern zu bekommen oder in einem Kasten am Parkplatz selbst zu lösen. Alles auf Vertrauensbasis.
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In Deutschland, dem Land der Überreglementierung und des Bestimmungsirrsinns undenkbar. Denn da wäre sicherlich auf fast jedem See die Nutzung eines Verbrennungsmotors verboten oder gesondert anmeldepflichtig.

Gute Aussichten

Beim ersten Blick ins Wasser des fremden Sees waren schwebende Grünalgenpartikel sichtbar und es roch recht „fischig“. Schon schlugen unsere Zanderherzen höher.
Beim langsamen Überqueren des unbekannten Sees mit dem Echolot zeigte der Bildschirm Unmengen an Futterfisch ab 9m Tiefe an. Das spricht für eine hohe Biomasse, wie sie in allen mir bekannten, guten Zandergewässern zu finden ist. Jetzt war Suchen von spannenden Strukturen angesagt, um diese stichprobenartig mit unseren Zanderkant-Kaulis, mit denen wir schon an unzähligen Revieren erfolgreich waren, anzutesten.
Wenn man neue Gewässer erkundet, ist es wichtig Köder zu verwenden, denen man absolut ob ihrer Fängigkeit vertraut. Nur so bleibt man konzentriert. Die ersten Plätze brachten keinen Erfolg. Ein Plateau von 5m und dessen Ränder. Ein sanfter Abbruch vor einer Halbinsel und eine Uferkante vor einem flachen Strand. Ohne Biss.

Geduld und Vertrauen zahlen sich aus

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Nach gut 3 Stunden angeln schauten wir uns das gegenüberliegende Ufer an. Dazu passierten wir zwei Inseln, die mit einem 6m Plateau miteinander verbunden waren. Auf diesem flacheren Bereich lagen viele große Steine. Doch Zander waren keine da. Der Abbruch dieses Plateaus zum freien Wasser, auf der dem Wind zugewandten Seite, brachte dann bei rund 9m Tiefe den Erfolg!
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Der Beweis, dass wir mit dem neuen See, dem wir aufgrund seiner Lage eine Chance gaben, goldrichtig lagen. Denn auch ich konnte mich kurz nach dem ersten Fisch über einen kapitalen Zander freuen.
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Die Räuber standen in ihrer passiven Phase am Abfall dieser spannenden Struktur im tieferen Wasser. Vertikalangeln mit unserer 2m Rute und langsamer Präsentation des Köders war hier das beste Mittel zum Zweck und sprach die am Tage noch inaktiven Zander perfekt an. Philipp erwischte kurz vor der Dämmerung einen weiteren Großzander, der sich mächtig in unsere 2m Zanderkant-Vertikalrute hineinstemmte.
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Doch die Dämmerung war nahe und die am Tag auf der 9m Kante ruhenden Zander starteten langsam zum Jagen ins Flache. Dazu zogen sie auf das 6m Plateau zwischen den Inseln. Zum Abschluss konnte ich dort noch einen der Kapitalen stellen.
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Dieser mächtige und dunkel gefärbte Fisch muss schon einige Jahre in diesem rauen Schwedischen See auf dem Buckel gehabt haben. Er hatte kaum noch Zähne und sein Maul sah ziemlich zerzaust aus.
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Kein Platz ist dauerhaft erfolgreich, denn Zander ziehen mit dem Einbruch der Dunkelheit sehr stark umher und man muss ihnen folgen und die Fressplätze wieder mit aktiven Methoden befischen, um weiterhin am Fisch zu bleiben. Philipp wechselte vom passiven Vertikalangeln aufs aktivere Wurfangeln und montierte unseren sehr UV-Aktiven 16cm Megakauli im Dekor Reaktor. Sein übertrieben stark fluoreszierende Dekor ist besonders bei sehr schwachen Lichtverhältnissen sehr fängig. Bevor wir den Heimweg antraten, erwische er damit im letzten Büchsenlicht den letzten Zander des Abends.
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Ich habe diese Geschichte hier deshalb so detailliert erzählt, da ich einen Einblick geben möchte, wie solche geniale Fangtage entstehen. Es lag nicht an unseren sicherlich tollen Ködern, Geräten oder Boot. Die hatten nur ihren Anteil am Gelingen. Diese genialen Fänge waren nur möglich, da wir unser Wissen, welches wir über den spannenden Zander in all den Jahren an unzähligen Gewässern sammeln konnten, hier in der Praxis zur Anwendung brachten. Viel draußen zu sein, bedeutet viel zu Wissen. Daher versuche ich im gratis Videokurs auch immer das Wissen über den Zielfisch zu vermitteln, damit sich die zanderinteressierten Angler da draußen auch nachhaltig verbessern können.

Petri von der Zanderkant

Sebastian Hänel

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6 Responses

  1. Christian Gutjahr-Kreienbrink sagt:

    Sehr Geiler Artikel eurer Schwedentour. BIn selber Raubfischangler und tue mich sehr sehr schwer mit dem Zanderangeln, leider! Wir haben bei uns in Mecklenburg-Vorpommern ja reichlich Zandergewässer aber leider hatte ich noch nie Erfolg.

    Mfg Christian

  2. Ralph Ollmann sagt:

    Guter Artikel, besonders wichtig finde ich auf die Abendstunden und die UV Aktivität der Köder zu achten. Das hat mir nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr geholfen.

  3. Bablofil sagt:

    Thanks, great article.

  4. Siegfried Best sagt:

    naturköder Angeln an der Elbe
    im Buhnenkopf oder an der Stömungskante ?

  5. Knut Kiefer sagt:

    Hallo Sebastian
    Bin auf der Suche nach einem Angelboot. War auch in Berlin auf der Messe und haben mit Kai (Teupitzer Gewässer) gesprochen. Die Alu- Boote aus Schweden waren ja auch ausgestellt. Er hat auch ein Plastboot Scandica 440 im Angebot welches ich auch noch ein wenig zu klein finde.
    Ich hatte auch mal im Internet gestöbert und ein Scandica 490 Plastangelboot mit guter Ausstattung gefunden. Weist du etwas darüber oder gibt es ähnliche Boote von Scandica? Wenn ja wie sieht es beim Kauf in Schweden mit einer Zollgebühr aus oder gibt es einen Händler in Deutschland.
    Vielleicht kannst Du mir helfen.
    Mit Freundlichen Gruß, Knut

    • Sebastian Sebastian sagt:

      Hallo Knut,

      Scandica bietet verschiedene Boote zum angeln an. Wir sind total von den Alubooten 450 und 530 begeistert.
      Auf der Messe Berlin konntest du diese ja selbst bestaunen.
      Wir haben unser 450 damals in Schweden direkt abgeholt. Die Lieferung nach Deutschland ist aber auch möglich. Christer von Scandica kann Deutsch und Englisch.
      Unter dem Kontakt von http://www.scandica.se kannst du in per Mail oder Telefon kontaktieren. Er hilft dir gern weiter.

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