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Sebastian Hänel über: Zanderangeln – Dem Sommer Zander auf der Spur

Sebastian Hänel über: Zanderangeln - Dem Sommer Zander auf der Spur

Für viele Petrijünger ist Zanderangeln zur warmen Jahreszeit, besonders im Sommer, ein stiefmütterliches Thema. Sie sind der Meinung, dass der Herbst die weitaus bessere Zeit ist, um den langsamen Jägern mit Erfolg nachzustellen.
Ich hingegen betrachte den Zander als totalen Sommerfisch. Zum einen mögen die Stachelträger warmes Wasser. Sie laufen erst bei Temperaturen ab 20 Grad zu ihrer höchsten Aktivität auf, sind dadurch viel in Bewegung und fressen mehr als im kälteren Wasser.
Zum anderen stellt diese hohe Aktivität der Sommer Zander uns Angler vor große Herausforderungen, denn die Fische müssen immer wieder neu gefunden werden.
Eine Generallösung hierfür gibt es nicht, da die Hotspots an jedem Gewässertyp völlig unterschiedlich sind.
Ganz entscheidend ist das Licht! Kein anderer Faktor beeinflusst die Standplätze und Aktivitäten von Zandern so sehr wie der Lichteinfall ins Gewässer!

Flach im Fluss
An der Elbe, die zu Beginn des Sommers durch starke Planktonbildung sehr eingetrübt ist, standen die Kammschupper an extrem flachen Plätzen – bedingt durch Niedrigwasser zudem noch sehr dicht am Strom, bzw. im stark bewegten, sauerstoffreichen Wasser. So brachte das Befischen von flachen Buhnenköpfen am Tag mit grellen Dekoren, wie unseren „Reaktor“ oder „Törtelgrün“, tolle Fische ans Band, während tiefe Buhnen keinen Erfolg brachten.

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Tief im See
In großen Stillgewässern sieht das schon wieder ganz anders aus. Hier ist das Wasser meist deutlich klarer und mehr Licht dringt zum Boden. Am Tag wird man daher keinen Zander an flachen Plätzen stehen haben. Selbst in der Dämmerung sind die Seezander noch recht tief. Dieser kapitale, 86cm lange Stachelträger, nahm unser sehr gedecktes „Nachtschatten“ Dekor auf einer ca. 10m tiefen Kante vor einem Plateau.

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Herren des Freiwassers
Aber nicht nur am Grund geht’s rund! Besonders in Seen mit extremen Wassersäulen, wo 20 oder gar 30m Tiefe keine Seltenheit sind, neigen Großzander dazu vereinzelt im Freiwasser herum zu geistern. Wer frühes Aufstehen nicht scheut und sich gern dem Experiment stellt, seine Köder im oberen Drittel des Wasserkörpers monoton durchzukurbeln, der kann sein blaues Wunder erleben. Besonders morgens, wenn das orange Licht der steigenden Sonne die Landschaft flutet, stehen die Chancen auf einen Zanderbiss bei dieser ungewöhlichen Technik ganz gut.
Philipp Feist erlebte beim gezielten Hechtangeln mit einem Großgummi im Freiwasser einen seiner wohl spektakulärsten Fänge. Der Köder war schon zu sehen, da schob sich ein Schatten an den Köder, der diesen auf Sicht wegzog! Der 6/0 Greifer griff unter der harten Knochenplatte des Oberkiefers und brachte den 95cm Fabelfisch in den Kescher! Der Wahnsinn!

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Angespornt von diesem Erlebnis versuchte ich es am nächsten Morgen allein und schmiss meinen 16cm Megakauli seelenlos aber motiviert über die Freiflächen des Sees. In der Nähe befand sich eine Landezunge, doch ich warf im tiefen “Niemandsland“, vor dieser Struktur umher. Bis knapp vor 09:30 tat sich nichts und ich tat Philipps Ausnahmefisch als glücklichen Zufallsfang ab. Aber Zander zeigen aus der Erfahrung heraus bestimmte Muster, aus der sie, einmal entdeckt, recht treffsicher zu berechnen sind.

Also blieb ich dran und fischte, je höher die Sonne kam, schwerer und damit tiefer. Mittlerweile lief mein Köder wohl auf 6m. Dann der Einschlag! Mit zittrigen Knien führte ich nach hartem Drill den Trümmerzander über den Kescher, der ihn gerade so fasste. Auch 95cm!
Nur einen Morgen später noch so einen Fisch dingfest gemacht zu haben ist einzigartig in der Geschichte des Team Zanderkant. Es gelang durch eine Verkennung, von frisch gewonnener Erkenntnis, unermüdlicher Ausdauer und Glück, welches beim Angeln immer zu einem gewissen Teil dazu gehört._DSC8874.

Steigt die Sonne weiter stellen sich die Zander wieder tief ein und verbringen den langen Tag recht passiv. Erst zum Abend, mit schwindendem Licht werden sie wieder aktiv und beginnen damit flach zu ziehen. Manchmal aber erst wenn es tatsächlich richtig dunkel ist!

Wobblerzeit
Zum Sonnenuntergang noch zwischen 8 bis 10m die Zander am Grund erwischt, geht mit fortschreitender Dunkelheit an diesen Plätzen nichts mehr. Ganz einfach weil man die Zander nun unterfischt. Auf die nun aktiven Räuber zündet jetzt nur noch eine aktive Angeltechnik. Ein Fall für flach laufende Wobbler.

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Hier ist jetzt Gefühl für die richtigen Stellen gefragt. Flache Strände an denen am Tag noch reger Badebetrieb herrschte, können genauso effektiv sein, wie ein steil abfallender Felsen, an denen die Glasaugen nun extrem dicht entlang ziehen, um Dort die Kleinfische an die Sackgasse heran zu drängen. Je nach Gewässer muss der jeweilige Fressplatz der Zander erarbeitet werden. Oftmals beginnt das beißen auf die flotten hardbaits erst wenn es komplett Dunkel ist. Der Übergang von Sonnenuntergang bis zur Dunkelheit ist oft schwierig und muss ausgesessen werden. Aber dann kann es verblüffend gut laufen und die Bisse erfolgen kaum 30 bis 50cm unter der Oberfläche und nicht einmal 2 m vom steinigen Ufer entfernt. Ruhig und sehr flach laufende Schwimmwobbler ohne Rasseln und wenig Druckwelle sind dann das beste Mittel.

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Man kann den Zandern im Tagesverlauf regelrecht hinterher angeln. Verknüpft man das Wissen über die Verhaltensweisen der Fische mit der dazu passenden Methode, ist der Fang des Sommer Zander auch kein großes Hindernis mehr.

Mehr Fachliche Informationen Hilfestellungen für verschiedene Angelsituationen auf Zander gebe ich im gratis Videokurs auf www.zanderkant.de preis.

Einmal eintragen und die kurzen lehrreichen Lektionen kommen einmal wöchentlich als E-Mail in dein Postfach.

Dickes Petri – Sebastian

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5 Responses

  1. lisa sagt:

    Lieber Sebastian ,
    Über einige lehrreiche Tipps würde ich mich sehr freuen!
    Vielleicht ist dann weniger das Glück und mehr das Wissen der Grund zum Fang ?.
    Ich schaue mir viel in deinen Videos an , doch mit der Umsetzung Harpert es noch so etwas!

  2. Maik sagt:

    Hallo,
    das die Köder bei euch nicht abgeschluckt werden finde ich gut.
    Ihr macht irgendwas anders.

  3. Gian-Marco sagt:

    Hallo Sebastien…
    Mit wieviel gramm kurbelst du die gummis im freiwasser rein?

    Gruss G.M

    • Sebastian Sebastian sagt:

      Je nachdem wir tief der Köder bei langsamen Kurbeln laufen soll. 17g wenn ich auf ca. 3 bis 4 m angeln will. 35g wenn ich weiter runter will. Alles Gefühlssache

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